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Dr.' Lilli Jahn

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  • © Martin Doerry Privatarchiv
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Dr.‘ Lilli Jahn, geb. Schlüchterer, wird im Jahr 1900, in Köln geboren. Ihre Kindheit sowie die vier letzten Semester ihres Medizinstudiums verbrachte sie in Köln und legte ihr Staatsexamen sowie ihre Promotion im Jahr 1924 an der Universität zu Köln ab. Im Anschluss arbeitete sie einige Jahre als Ärztin im Israelitischen Asyl für Kranke und Altersschwache in Köln und heiratete 1926 Ernst Jahn, ebenfalls Arzt, protestantischen Hintergrunds. Sie gibt ihren Traum einer Facharztausbildung auf und zieht mit ihm nach Immenhausen, wo sie eine gemeinsame Praxis führen. Lilli bekommt im Verlauf der Jahre fünf Kinder und gibt ihre Tätigkeit infolge der gesetzlichen Änderungen und der erschwerten Arbeitsbedingungen durch die Judenboykotte nach der Machtergreifung der NSDAP auf. Bereits 1933 emigriert Lillis Schwester nach England und möchte die Familie Jahn nachholen, jedoch möchte Ernst seine Praxis nicht aufgeben, weshalb auch Lilli und die Kinder trotz der wachsenden Feindschaft, ihnen gegenüber in Immenhausen verweilen. Die sogenannte Mischehe schützt sie lange vor Verfolgung, bis sie 1942 in die Scheidung einwilligt. Ihr Mann Ernst hat bereits eine Tochter mit der Assistenzärztin der Praxis und heiratet diese kurz darauf. Lilli ist gezwungen mit ihren Kindern nach Kassel umzuziehen befestigte an der Tür eine Visitenkarte mit der Aufschrift „Dr. Lilli Jahn“ als Klingelschild. Die NS-Gesetze verboten Jüdinnen und Juden erworbene Doktortitel zu führen und zwangen sie „Sara“ bei Frauen bzw. „Israel“ als zweiten Vornamen zu anzugeben. Das NS-System mit dessen entsprechenden Menschenbild, sah die widerständige Praxis von Lilli Jahn als Verfolgungsgrund an, weshalb sie am 30. August 1943 verhaftet wurde. Ab 3. September 1943 ist sie im Arbeitslager Breitenau inhaftiert bis sie am 17. März 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert wird. Lilli hält mit ihren Kindern Briefkontakt, bis sie am 17. Juni 1944 ermordet wird. Die Briefe sind erhalten und in dem Buch von Lillis Enkel, Martin Doerry, „Mein verwundetes Herz“ - Das Leben der Lilli Jahn 1900-1944, eindrücklich nachzulesen.

Examen geht nicht nach Paln

Unser Examen geht noch nicht nach unserem Plan. Gestern, Freitag, trafen wir Siegert* nicht an, da er zu sehr mit Reichswahlreden etc. beschäftigt ist. (…) Thomas* war verreist, und so mußten wir heute wieder hin. Nachdem er uns die Bedeutung der Unglückszahl 13 und des Unglückstages Freitag nach dem neuen Testament erklärt hatte und uns eine Propaganda-Rede für die Deutsch-Völkischen gehalten hatte, geruhte er uns für Montag zu bestellen. Hoffentlich nimmt uns Zinsser* nun am Dienstag noch für Mittwoch an.

Aus einem Brief von Lilli Jahn (geb. Schlüchterer) an Ernst Jahn vom 12. April 1924, aus Doerry, Martin (2018). Mein verwundetes Herz. Das Leben der Lilli Jahn. 1900 - 1944. München: Pegiun Verlag, S. 43-44. *Es handelt sich um Lehrende an der Universität zu Köln

Mit Dampf in die Pharmakologie

Gestern sind wir nun endlich mit der »Inneren« fertig geworden. Külbs* ließ und wieder drei Stunden warten, prüfte uns neurologisch, verzapfte unglaublichen Blödsinn und schreib uns dann »bestanden«. Also wieder eine Station weniger. Jetzt geht’s mit Dampf in die Pharmakologie.

Aus einem Brief von Lilli Jahn (geb. Schlüchterer) an Ernst Jahn vom 4.Mai 1924, aus Doerry, Martin (2018). Mein verwundetes Herz. Das Leben der Lilli Jahn. 1900 - 1944. München: Pegiun Verlag, S. 46.

Morgen ist Semesterbeginn

Morgen ist Semester-Beginn. Schneider* traf gestern Fräulein Rothschild*1 und hat lange mit ihr bei Bremer gesessen und sich nach und allen erkundigt. Er meinte, wenn Fräulein Auerbach*1, Fräulein Rothschild*1 und ich nicht mehr ins Kolleg kämen, außer Herrn Schäfer*1 würde er wohl kaum mehr Hörer haben. Ich werde wohl am Dienstag abend von 6-7 Uhr in seine Vorlesung gehen. Ich freue mich wieder sehr auf die Stunden bei ihm. Allmählich bekommen wir ja auch ein wenig persönlichen Konnex mit ihm.

Aus einem Brief von Lilli Jahn (geb. Schlüchterer) an Ernst Jahn vom 4.Mai 1924, aus Doerry, Martin (2018). Mein verwundetes Herz. Das Leben der Lilli Jahn. 1900 - 1944. München: Pegiun Verlag, S. 47. *1Es handelt sich um KommilitonInnen von Lilli

Biografie von Dr.' Lilli Jahn

Schritt für Schritt das Leben der Lilli Jahn nachverfolgen mit dem interaktiven H5P-Zeitstrahl (einfach auf das Bild klicken, um zum Zeitstrahl zu gelangen)
im Rahmen des Projektes „100 Jahre Alija von Alumni der Universität zu Köln | Geschichten der Einwanderung nach Israel“, 04. Juli 2019, Jerusalem

Zu Besuch bei der Familie von Lilli Jahn in Israel

Was Studierende über Israel wissen sollten

Es ist wichtig zu wissen, dass die jüdische Religion ganz besonders ist und sich von anderen Religionen in vielerlei Weisen unterscheidet. Das kann man unter Umständen an dem interessanten Punkt erkennen, dass wir nicht missionarisch sind. Wir glauben nicht an eine Zwangseroberung von Gläubigen. Im Gegenteil, wenn jemand zum Judentum übertreten will, dann fragen wir, bist du dir da wirklich sicher? Weißt du, wo du da rein kommst? Weißt du wie viel Verantwortung du auf deine Schultern nimmst? Du kannst ein guter Mensch sein, ohne ein Jude zu sein.

Beate, Enkelin Dr.’ Lilli Jahns, Mutter Ilse nach dem Krieg mit ihren Schwestern zusammen nach England ausgewandert, aber für Lebensgefährten nach Deutschland zurückgekehrt, hatte vor, weiter nach Israel zu ziehen. Beate ist 1978, nach dem Abitur, nach Israel emigriert und lebt heute in der orthodox-jüdischen Welt in Jerusalem, sie hat zehn Kinder und eine stetig wachsende Zahl von Enkelkindern.

für den Geschichtsunterricht

Vielleicht, das ist wirklich nur eine Idee, wäre es gut nicht nur über Tatsachen zu sprechen: „Ja, da war diese entsetzliche Shoah.“ Vielleicht (…) könnte man mal überlegen, was steckt denn dahinter? Woher kommt denn das? Warum gibt es denn Antisemitismus? Und zeigen, dass Antisemitismus eigentlich total irrational ist – mehr als irrational – falsch.

Beate, Enkelin Dr.’ Lilli Jahns, Mutter Ilse nach dem Krieg mit ihren Schwestern zusammen nach England ausgewandert, aber für Lebensgefährten nach Deutschland zurückgekehrt, hatte vor, weiter nach Israel zu ziehen. Beate ist 1978, nach dem Abitur, nach Israel emigriert und lebt heute in der orthodox-jüdischen Welt in Jerusalem, sie hat zehn Kinder und eine stetig wachsende Zahl von Enkelkindern.

Twitterbeiträge

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04-07-2019

Mit Hilfe von GPS und unterwegs in eine orthodoxe Welt Wir treffen eine Enkelin von Dr' die in Auschwitz ermordet wurde. Die Enkelin, eine orthodoxe Jüdin lebt seit langem in Jerusalem .

Sehr bewegend nicht nur zu hören sondern auch zu spüren, wie sehr die Enkelin von Dr' als Kind vermisste. Bis in den heutigen Alltag schmerzt das Fehlen der Großmutter

Dr' 's Urgroßvater war Rabbi Amschel Löb Schlüchterer aus Zeitlof. Ihre Enkelin folgte den religiösen Wurzeln der Familie und lebt in im Heiligen Land

to the Family of Dr' for hosting us

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#onthisday #LilliJahn

#onthisday #LilliJahn

Tweets zu Ereignissen im Leben der Alumna der Universität zu Köln, Dr.' Lilli Jahn #otd

Biparcours

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Über die App Biparcour einen virtuellen Rundgang zu Lilli Jahns Leben machen

Literatur

Doerry, Martin (2018). Mein verwundetes Herz. Das Leben der Lilli Jahn. 1900 - 1944. München: Pegiun Verlag.