"Antisemitismus an Schulen"
Aufzeichnung des Vortrags der Kölner Alumna Prof.' Dr.' Julia Bernstein am 14.5.2019 jetzt online!
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»school is open« 4.0 wollte im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums zur Neugründung der Universität zu Köln 2019 jüdisches Leben zwischen Köln und Israel sichtbar machen. Die Idee war, die Geschichten jüdischer Alumni, die in den letzten 100 Jahren an der Universität zu Köln studiert bzw. gearbeitet hatten und die selbst bzw. ihre Nachfahren eine Verbindung zu Israel haben, zu dokumentieren.
Unsere Tätigkeit in den bildungswissenschaftlichen Anteilen der universitären Lehramtsausbildung ermöglicht Studierenden, Antisemitismus erkennen und bekämpfen zu können. Unser Anliegen ist es, Antisemitismus und der damit einhergehenden Entmenschlichung durch homogenisierende Praxen entgegenzuwirken. Wir wollen die Diversität innerhalb der Gruppe der Jüdinnen und Juden aufzeigen. Für Lehramtsstudierende wird die Diversität durch die Auseinandersetzung mit individuellen Biografieverläufen erkennbar. Die individuellen Lebensverläufe der Alumni der Universität zu Köln können beispielhafte Verbindungslinien zwischen Köln und Israel aufzeigen. Dieser Ansatz ermöglicht es, Jüdinnen und Juden nicht als homogene Gruppe zu sehen, sondern die Vielfalt der Biografien zu erkennen. Über die Biografien kann auch ein Bezug zur Alltagswelt der Studierenden – Köln und Universität – hergestellt werden. Solche Lernprozesse zu ermöglichen und zu begleiten, verstehen wir als Bestandteil der Arbeit zum Ziel:
„Put an End to Anti-Semitism“!
Die Recherche zu den einzelnen Geschichten im Projekt „100 Jahre Alija von Alumni der Universität zu Köln | Geschichten der Einwanderung nach Israel“ von »school is open« 4.0 wurde durch zwei Hauptvariablen gelenkt: Alumni der Universität zu Köln innerhalb der letzten 100 Jahre zu sein und Alija, also die Einwanderung nach Israel, vollzogen zu haben. Hinzu kamen weitere Variablen wie die zeitliche Perspektive (vor, während nach der Shoah) und die Materialdichte zur Nachvollziehbarkeit individueller Biografieverläufe. Gesucht wurde in wissenschaftlicher Literatur[1], über Aufrufe in Social Media[2] und durch Gespräche mit Expert_innen[3]. Insgesamt haben wir 49 Alumni gefunden, wovon 40 Männer und 9 Frauen waren/sind. 41 der Alumni haben vor der Shoah an der Universität zu Köln studiert bzw. gearbeitet, 8 Personen nach der Shoah. Wir konnten mit einigen Alumni bzw. ihren Nachfahren Kontakt aufnehmen und weitere Informationen über die individuellen Lebensverläufe einholen.
In der Auseinandersetzung mit den einzelnen Biografien im Kontext von Lernprozessen mit Lehramtsstudierenden wurde deutlich, dass unsere Ressourcen eine umfassende Dokumentation der 49 Lebensverläufe nicht ermöglichen. Die Aufbereitung didaktischer Situationen und der pädagogischen Beziehung zu den Studierenden gestaltete sich als sehr umfassend und hielt vielfältige Reflexionsanlässe für alle Beteiligten bereit. In der weiteren Arbeit haben wir uns auf die Biografien von vier Alumni – Dr. Otto Hecht, Dr.‘ Lilli Jahn, Grisha Alroi-Arloser & Prof.‘ Dr.‘ Julia Bernstein – beschränkt. Die Geschichten dieser vier Alumni halten unterschiedliche Zugänge zur Diversität jüdischer Lebenswelten und Israels in den letzten 100 Jahren bereit.
[1]Monographien: Röder, Strauss 1999; Szöllösi-Janze, Freiträger 2005; Doerry 2012; Becker-Jákli 2013.
Datenbanken: Livnat, Tobias http://aerzte.erez-israel.de (25.01.19); Biographische Datenbank auf Basis Maas 2010; Buchin https://geschichte.charite.de/aeik/ueber.php (25.01.19).
[2]https://schoolisopen.uni-koeln.de/call_for_alumni.html (25.10.19)
[3] Georg Wamhof, Historisches Institut Köln – Abteilung für Neuere Geschichte; Eran Elijahu Ben Joseph, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Vereinigung der Israelis mitteleuropäischer Herkunft; Werner Jung, Direktor des NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln.
In zwei Semestern haben 12 Lehramtsstudierende umfassend die Biografien der vier Alumni der Universität zu Köln, die selbst bzw. deren Nachfahren nach Israel eingewandert sind, in unterschiedlichen digitalen Formaten aufgearbeitet. So sind insgesamt 1 digitale Informationssammlung (Padlet), 1 Podcast, 2 Portraits, 2 digitale Rundgänge mit Hilfe der App Biparcour und 3 Lernvideos zu den vier Alumni entstanden. Diese diversen Lernmaterialien zeichnen jeweils die individuellen Herstellungs- und Lernprozesse der Studierenden nach.
Die Lehramtsstudierenden haben im Lernprozess verstanden, dass die Erfahrungen der jüdischen Alumni in den letzten 100 Jahren nicht nur auf den Zivilisationsbruch der Shoah reduziert werden können. Wenn jüdische Lebenswelten vor, während und nach der Shoah in den Blick genommen werden, kann aufgezeigt werden, dass diese Geschichten z.B. auch von florierendem Leben, Kultur, Religiosität, Liberalität, Moderne, Assimilation, Widerstand, Staatlichkeit u.v.m. geprägt waren und sind. Die Geschichten eines konkreten Gegenübers nachzuvollziehen und aufzubereiten hat eine vertiefte Auseinandersetzung und umfassende Reflexion ausgelöst, wodurch die Empathiefähigkeit der Studierenden gefördert und gestärkt wurde. Darüber hinaus haben sie eine methodische Herangehensweise erworben, die sie für ihre spätere Tätigkeit als Lehrkraft adaptieren können.
Die Darstellung von jüdischen Lebenswelten anhand einzelner Biografien bot den Studierenden und dem Team von »school is open« umfassende Reflexionsmöglichkeiten. In den Lernprozessen haben wir uns mit den Studierenden vielfach darüber ausgetauscht, wie Jüdinnen und Juden als vielfältige Gruppe und nicht stereotypisiert bildlich dargestellt werden können. Auch wurde deutlich, dass die Auseinandersetzung mit individuellen Lebensverläufen von Jüdinnen und Juden nur ein Baustein[1] in der Arbeit gegen Antisemitismus sein kann.
Neben der Arbeit mit den Lehramtsstudierenden war es uns ein Anliegen die erworbenen Kenntnisse in die jüdische Community und die interessierte Öffentlichkeit zurückzuspielen. Mit Hilfe von fünf Veranstaltungen zu Alija, Antisemitismus, Dr.‘ Lilli Jahn und zur Vielfalt Israels im Jahr 2019 konnten die Geschichten der Alumni als Beispiel für die Vielfalt jüdischer Lebenswelten und Israels zugänglich gemacht werden.
[1] Ein weiterer Bestandteil ist die Auseinandersetzung und Reflexion der eigenen Gefühlserbschaften und Biografie. Individuen sind in gesellschaftliche und familiäre Verhältnisse eingebettet. Diese emotionalen und biografischen Verschränkungen können Lernprozesse blockieren bzw. beeinträchtigen. Familiäre Tradierung und Kommunikation zu reflektieren bedeutet den Einfluss auf sich selbst und das heutige Erleben und Handeln anerkennen zu können. Diese Auseinandersetzungen ermöglichen einen umfassenden Lernprozess hinsichtlich jüdischer Lebenswelten, (israelbezogenem) Antisemitismus und Israel als demokratischem Staat im Nahen Osten.
Gerne wollen wir über das Jubiläumsjahr 2019 hinaus die Geschichten jüdischer Alumni sichtbar machen. Dafür werden die erarbeiteten Lernmaterialien in vier digitale Lernmodule gegen Antisemitismus eingebettet, die als Open Educational Ressources frei zugänglich zur Verfügung gestellt werden sollen. Durch eine Kooperation mit dem Zentrum für LehrerInnenbildung Köln bietet sich die Möglichkeit die Ergebnisse unserer Arbeit gegen Antisemitismus in die Lehramtsausbildung einzubinden.
Die angesprochenen Reflexionen über die Lernprozesse von Studierenden und des Teams von »school is open« 4.0 während und nach der Erstellung der Lernmaterialien sollen z.B. in Form von zwei Metamodulen dokumentiert werden. Auch kann sich aus der Arbeit mit den Studierenden eine Forschungsarbeit zur wissenschaftlichen Analyse und Auswertung der prozessbegleitend erstellten Reflexionen der Studierenden ergeben.
Für die Universität zu Köln wurden durch dieses Projekt „100 Jahre Alija von Alumni der Universität zu Köln | Geschichten der Einwanderung nach Israel“ Internationalisierungsbestrebungen gestärkt. Hoffentlich hat die Universität zu Köln die Gelegenheit, diese Bezüge nach Israel weiterzuverfolgen und die Vernetzung mit Alumni, die heute in Israel leben, als Community auszubauen.
Röder, Werner/ Strauss, Herbert A., Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933-1945, New York 1999.
Szöllösi-Janze, Margit/Freiträger, Andreas, Doktorgrad entzogen. Aberkennungen akademischer Titel an der Universität Köln 1933 bis 1945, Köln 2005.
Doerry, Martin, Mein verwundetes Herz, Das Leben der Lilli Jahn 1900-1944, Stuttgart/München 2012.
Becker-Jákli, Barbara, Das jüdische Köln. Geschichte und Gegenwart, Köln 2013.
Livnat, Andrea/ Tobias, Jim, Projekt: Deutsch-jüdische Ärzte in Erez Israel: aerzte.erez-israel.de (25.01.19).
Maas, Utz, Verfolgung und Auswanderung deutschsprachiger Sprachforscher 1933-1945, Tübingen 2010.
Buchin/ Jutta, Projekt „Ärztinnen im Kaiserreich“ Charité – Universitätsmedizin Berlin: geschichte.charite.de/aeik/ueber.php (25.01.19).
Aufzeichnung des Vortrags der Kölner Alumna Prof.' Dr.' Julia Bernstein am 14.5.2019 jetzt online!
Rückblick auf das Symposium „Discover Israeli Diversity“ am 12. und 13.11.2019
Folge #3 zur erinnerungs-kulturellen und pädagogischen Arbeit gegen Antisemitismus
Die Alumna der Universität zu Köln (1922-1924) wurde in Auschwitz ermordet
Anhand seiner Biografie wird die Vielfalt der Lebensläufe im Zusammenhang mit der Alija nach Israel sichtbar.
Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete über unseren Work-shop "Digital gegen Antisemitismus" auf der #future19
Die Tagung #future19 aus Sicht einer Lehramtsstudierenden
Podium diskutiert klare Positionierung von Schulen
Die Kölner Alumna Dr.‘ Lilli Jahn schrieb, bis sie in Ausschwitz ermordet wurde, an ihre Kinder
des Jubiläumsprojekts „100 Jahre Alija von Alumni der Universität zu Köln“
für das Projekt "100 Jahre Alija von Alumni der Universität zu Köln | Geschichten der Einwanderung nach Israel"
Tweets zu Ereignissen im Leben der Alumna der Universität zu Köln, Dr.' Lilli Jahn
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Wir suchen Alumni der Universität zu Köln in Israel
Aufzeichnung des Vortrags der Kölner Alumna Prof.' Dr.' Julia Bernstein am 14.5.2019 jetzt online!
Silke Bettina Kargl
silke.kargl@uni-koeln.de
T 0221 470-2185
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